Zinswende: Was dies für Unternehmensanleihen bedeutet
Im September hat die Europäische Zentralbank den Einlagensatz auf 2,50 % angehoben. Steigende Zinsen treffen den Anleihemarkt jedoch anders als festverzinsliche Wertpapiere kleiner und mittlerer Unternehmen.
Was gerade passiert: Die Zinsen steigen, weil die Preise steigen
Auslöser ist vor allem die Energie. Der Konflikt im Nahen Osten hat die Preise für fossile Energie stark steigen lassen. In Deutschland stieg die Inflationsrate dadurch von 2,9 % im August auf voraussichtlich 3,3 % im September, Energie war 14,9 % teurer als ein Jahr zuvor. (In Österreich lag die Teuerung im August bei 3,2 %, der Anstieg ging fast vollständig auf Treibstoffe und Heizöl zurück.)
Die Leitzinsen für Deutschland legt die Europäische Zentralbank fest. Sie gelten im gesamten Euroraum und damit auch in Österreich. Mit dem Beschluss vom 10. September reagierte die EZB auf den Inflationsdruck, den der Konflikt im Nahen Osten erzeugt.
Für Sparer:innen ist das eine zwiespältige Nachricht. Die Zinsen für Spareinlagen sind in Deutschland gestiegen: Die besten Festgeldangebote für ein Jahr zahlen bis zu 3,49 %, im Durchschnitt aller Angebote sind es 2,53 %. Beim Tagesgeld liegt der Durchschnitt bei 2,08 %, nur die fünf besten Banken zahlen im Schnitt rund 4 %. Bei einer Teuerung von 3,3 % bleibt der Realzins damit selbst bei den besten Festgeldangeboten nur knapp über null, im Durchschnitt liegt er darunter: Das Guthaben wächst nominal, verliert aber an Kaufkraft. Wer diese Lücke mit Wertpapieren kleiner und mittlerer Unternehmen schließen möchte, nimmt ein anderes Risiko in Kauf: Es sind keine Spareinlagen, eine Einlagensicherung besteht nicht, und viele festverzinsliche Emissionen sind nachrangig ausgestaltet. Ein Totalverlust des eingesetzten Vermögens ist möglich.

Warum steigende Zinsen den Anleihemarkt treffen
Eine klassische Anleihe zahlt einen festen Zins, den Kupon. Steigen die Marktzinsen, werden neue Anleihen mit höherem Kupon ausgegeben. Bestehende Anleihen mit niedrigerem Kupon werden dadurch weniger begehrt, ihr Kurs fällt so weit, bis ihre Rendite wieder zum Marktniveau passt. Wie stark, misst die Duration. Als Faustregel gilt: Steigen die Zinsen um einen Prozentpunkt, verliert eine Anleihe ungefähr so viel Prozent an Kurswert, wie ihre Duration in Jahren beträgt. Ein Beispiel: Bei 10.000 Euro in Anleihen mit einer Duration von 7 Jahren entspricht ein Zinsanstieg um 1 Prozentpunkt einem Kursrückgang von rund 700 Euro.

Wie schnell sich das Umfeld gedreht hat, zeigt die zehnjährige Bundesanleihe, die wichtigste Referenz für den deutschen Anleihemarkt: Ihre Rendite stieg am 28. September 2026 auf bis zu 3,65 %, den höchsten Stand seit 2009, und lag am 5. Oktober bei 3,42 %. Wer zuvor langlaufende Anleihen mit niedrigerem Kupon gekauft hat, sieht im Depot heute Buchverluste. Wer bis zum Ende der Laufzeit hält, erhält den Nennwert zurück, sofern der Emittent zahlt. Wer vorher verkaufen muss, realisiert den Verlust. Kurzläufer reagieren weniger empfindlich als Langläufer, deren Verlustrisiko bei weiter steigenden Zinsen am größten ist.
Das ist kein Konstruktionsfehler des Anleihemarkts, sondern der Preis seiner Stärke: Weil Anleihen börslich handelbar sind, zeigt ihr Kurs jederzeit, was der Markt gerade für sie zahlt.
So funktionieren Geld- und Sachzins auf CONDA
CONDA vermittelt Beteiligungen an der Finanzierung kleiner und mittlerer Unternehmen, darunter Anleihen, Genussscheine, Wandelanleihen und Aktien, ab 250 Euro. Bei festverzinslichen Emissionen steht der Zins in den Emissionsbedingungen und gilt für die gesamte Laufzeit, unabhängig davon, was die EZB später entscheidet. Aktien zahlen keinen vereinbarten Zins. Die folgenden Ausführungen betreffen die festverzinslichen Instrumente.
Der Geldzins wird in Euro ausgezahlt. Der Sachzins wird als Leistung des Unternehmens erbracht: etwa als Gutschein für Produkte, als Übernachtung oder als Einkaufsguthaben bei der Emittentin. Bei manchen Emissionen können Anleger:innen zwischen beiden Formen wählen. Welche Variante gilt, in welcher Höhe und unter welchen Einlösebedingungen, legen die jeweiligen Emissionsunterlagen fest. Sie sind die maßgebliche Grundlage für jede Entscheidung.
Wichtig für das Verständnis ist der Nachrang: Viele der festverzinslichen Emissionen sind nachrangig ausgestaltet. Im Insolvenzfall werden solche Wertpapiere erst nach den übrigen Gläubiger:innen bedient. Dafür bietet das Instrument dem Unternehmen eigenkapitalähnliche Mittel und den Anleger:innen in der Regel einen höheren Zins als eine vorrangige Anleihe. Das Mehr an Zins ist die Gegenleistung für ein Mehr an Risiko.

Unterschied von Private-Markets-Anleihen zu börsennotierten Anleihen
Erstens: vertraglich vereinbarte Zinsen. Ein festgelegter Zinssatz ändert sich nicht, wenn sich die Marktzinsen bewegen, und die Zinszahlungen sind in den Bedingungen terminiert. Die Kehrseite: Die Zinsen sind vereinbart, aber nicht garantiert. Sie werden nur gezahlt, solange die Emittentin zahlen kann.
Zweitens: keine Börsennotierung. Ohne Börsenhandel gibt es keinen täglichen Kurs. Das heißt nicht, dass steigende Zinsen keinen Einfluss haben: Der wirtschaftliche Wert eines fest verzinsten Papiers sinkt auch hier, er wird nur nicht laufend angezeigt. Wer vorzeitig verkaufen will, spürt das im Preis, sofern sich überhaupt Käufer:innen finden. Hinzu kommt das Wiederanlagerisiko: Ein fest vereinbarter Zins steigt nicht mit, wenn der Markt später höhere Zinsen bietet, und das Kapital ist bis zum Laufzeitende gebunden. Nach der Rückzahlung muss es zu dem Zinsniveau angelegt werden, das dann gilt. Der Wert hängt außerdem von der Bonität des Unternehmens ab.
Drittens: der Sachzins. Er verbindet einen Teil der Verzinsung mit einer Gegenleistung, die Anleger:innen tatsächlich nutzen können, etwa einer Übernachtung oder einem Produkt. Ob der Sachzins auch vor Inflation schützt, hängt von der Ausgestaltung ab: Lautet der Gutschein auf einen festen Eurobetrag, kann er bei steigenden Preisen weniger kaufen. Ist die Gegenleistung eine konkrete Ware oder Leistung, bleibt ihr Gegenwert näher am realen Verbrauch. Die Einlösebedingungen genau zu lesen, lohnt sich daher besonders. Die Kehrseite: Der Sachzins wird vom Unternehmen selbst erbracht und hängt von dessen Fortbestand ab. Außerdem hat er für Sie nur dann einen Wert, wenn Sie die Leistung tatsächlich nutzen.
Viertens: der Zugang. Viele Unternehmen sind für den klassischen Anleihemarkt zu klein oder zu regional. Die Mindestanlage von 250 Euro macht es möglich, einzelne Beträge auf mehrere Emissionen zu verteilen. Die Kehrseite: Kleinere Unternehmen hängen häufig stärker von einzelnen Kund:innen, Standorten und der Konjunktur ab als große Emittenten. Bei der Auswahl gelten Ausschlusskriterien: CONDA finanziert keine Unternehmen etwa aus Tabakindustrie, Glücksspiel, Waffen, fossilen Brennstoffen oder Kernenergie.
Zur Besteuerung: Zinserträge, seien es Geld- oder Sachzins, sind grundsätzlich steuerpflichtig. Wie ein Zinsertrag steuerlich behandelt wird, hängt von Ihrer persönlichen Situation ab. Die Emissionsunterlagen geben dazu Auskunft, im Zweifel empfiehlt sich eine steuerliche Beratung.
Was die Zinswende für die Wirtschaft bedeutet
Die Zinswende trifft eine Wirtschaft, die sich nur langsam erholt. Das ifo Institut erwartet für Deutschland 2026 ein Wachstum von 1,4 %, doch am Arbeitsmarkt kommt die Verbesserung laut Bundesagentur für Arbeit noch nicht an: Im September waren 2.994.000 Menschen arbeitslos, die Quote lag bei 6,4 %. (In Österreich erwartet das WIFO für 2026 nur ein Wachstum von etwa 0,9 % und eine Arbeitslosenquote von 7,5 %.)
Das zeigt sich in der Insolvenzstatistik: Im 1. Halbjahr 2026 stieg die Zahl der Unternehmensinsolvenzen in Deutschland um 7,8 % auf 12.900 Fälle, der höchste Stand seit 2013. Besonders stark nahmen die Fälle im Dienstleistungssektor zu. Viele Unternehmen sind zudem mit Krediten belastet, die seit der Zinswende 2022 und 2023 deutlich teurer geworden sind. Creditreform sieht den Höhepunkt noch nicht erreicht und erwartet eine Stabilisierung nach jetzigem Stand frühestens 2027. (In Österreich mussten im selben Zeitraum 3.449 Unternehmen Insolvenz anmelden, im Schnitt knapp 19 pro Tag.)
Wenn Kredite teurer werden und die Nachfrage schwächelt, gewinnen andere Finanzierungsquellen für Unternehmer:innen an Bedeutung. Eigenkapitalähnliche Instrumente wie nachrangige Anleihen oder Genussscheine können je nach Ausgestaltung die Kapitalstruktur eines Unternehmens stärken. Für die Volkswirtschaft heißt das: Kapital, das über Anleger:innen direkt in Unternehmen fließt, kann Investitionen ermöglichen, die sonst verschoben würden.
Gerade Handel, Gastronomie und Beherbergung, also Branchen, in denen Sachzinsen angeboten werden, stehen unter Druck. Umso wichtiger ist der Blick auf Geschäftsmodell und Zahlen der jeweiligen Emittentin.
Für Unternehmen, die sich über CONDA Capital Market finanzieren, hat die Zinswende zwei Seiten. Bankkredite sind teurer geworden, Alternativen zum Kredit rücken stärker in den Blick. Zugleich vergleichen Anleger:innen mit höheren Marktzinsen, und der vereinbarte Zins gilt für die gesamte Laufzeit. Er muss daher zu Geschäftsmodell und Ertragskraft passen. Ein Sachzins kann einen Teil dieser Last in Leistungen statt in Liquidität verlagern, setzt aber voraus, dass das Unternehmen die Leistung zuverlässig erbringen kann.
Welche Funktion Unternehmensanleihen im Portfolio haben können
Das Risiko des einzelnen Wertpapiers wird dadurch nicht kleiner. Es geht um drei Funktionen, die Unternehmensanleihen in einem Portfolio und in der Wirtschaft haben können.
Erstens vereinbarte statt schwankende Erträge. Ein festgelegter Geld- und Sachzins gibt Anleger:innen einen Teil ihres Kapitaleinkommens vertraglich vor, unabhängig vom Tagesgeschehen an den Märkten. Ob er gezahlt wird, hängt allerdings an der Zahlungsfähigkeit der Emittentin.
Zweitens die Streuung. Wer neben Aktien, Anleihen und Sparbuch auch Wertpapiere kleiner und mittlerer Unternehmen hält, verteilt sein Vermögen auf Ertragsquellen, die nicht im gleichen Maß auf dieselben Nachrichten reagieren. Wer zusätzlich auf mehrere Emissionen und Branchen verteilt, senkt das Risiko des Einzelfalls, ohne es zu beseitigen.
Drittens die Wirkung vor Ort. Das Kapital geht an Unternehmen mit Standort, Mitarbeiter:innen und Kund:innen. Der Sachzins kann aus Anleger:innen auch Kund:innen machen, was den Unternehmen zusätzliche Nachfrage verschaffen kann. Das kann Umsätze stützen, wenn Finanzierungskosten und Energiepreise Druck machen.
Was Sie vor einer Entscheidung wissen sollten
Viele der festverzinslichen Emissionen sind nachrangig ausgestaltet und mit einem erheblichen Risiko verbunden, das bis zum vollständigen Verlust des eingesetzten Vermögens reichen kann. Eine Einlagensicherung besteht nicht. Die Handelbarkeit ist eingeschränkt, ein Verkauf vor Laufzeitende ist nicht jederzeit zu dem Preis möglich, den Sie sich wünschen. Der Sachzins hängt wie der Geldzins von der wirtschaftlichen Entwicklung der Emittentin ab. Ein fest vereinbarter Zins passt sich nicht an, wenn der Markt später mehr bietet, und das Kapital ist bis zum Laufzeitende gebunden. Prüfen Sie deshalb vor jeder Entscheidung, welchen Betrag Sie ohne Folgen für Ihre Lebensplanung entbehren können, streuen Sie auf mehrere Emissionen und lesen Sie die Emissionsunterlagen vollständig.
Fazit
Die Zinswende ist eine Reaktion auf höhere Preise, und sie trifft Anleger:innen und Unternehmen zugleich: Anleihen verlieren an Kurswert, Kredite werden teurer, Sparzinsen holen die Teuerung noch nicht ein. In diesem Umfeld haben festverzinsliche Wertpapiere kleiner und mittlerer Unternehmen mit Geld- und Sachzinsen eine eigene Funktion: Ihre Zinsen sind vertraglich vereinbart, sie hängen nicht am täglichen Börsenkurs, und sie leiten Kapital in die Realwirtschaft. Dafür tragen Anleger:innen Ausfall-, Liquiditäts- und Wiederanlagerisiko, bei vielen Emissionen zusätzlich ein Nachrangrisiko. Auch ohne Börsenkurs verliert ein fest verzinstes Papier bei steigenden Zinsen an wirtschaftlichem Wert. Wer das gegeneinander abwägt und seine Anlagen auf mehrere Bausteine verteilt, kann Wertpapiere von Unternehmen auf CONDA Capital Market als einen Teil einer breiter aufgestellten Anlage einsetzen.
Weiterlesen und informieren
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Quellen (Stand: Oktober 2026)
- EZB, Geldpolitische Beschlüsse vom 10. September 2026.
- Statistisches Bundesamt (Destatis), Pressemitteilung Nr. 348 vom 30. September 2026: Inflationsrate im September 2026 voraussichtlich +3,3 %.
- Statistik Austria, Schnellschätzung Verbraucherpreisindex August 2026, 1. September 2026.
- Tagesgeldvergleich.net, Marktanalyse Zinsen und Geldpolitik 10/2026, Stand 1. Oktober 2026.
- wertpapierdepot.net, Duration: Wie stark Anleihekurse auf Zinsänderungen reagieren.
- dpa-AFX über ARIVA.DE, Deutsche Anleihen steigen im Kurs, 5. Oktober 2026.
- ifo Institut, Konjunkturprognose Herbst 2026, Pressemitteilung vom 3. September 2026.
- Bundesagentur für Arbeit, Arbeitsmarkt im September 2026, Presseinfo Nr. 37 vom 30. September 2026.
- WIFO, Konjunkturprognose 2/2026, Juni 2026.
- Creditreform Wirtschaftsforschung, Insolvenzen in Deutschland, 1. Halbjahr 2026, 23. Juni 2026.
- KSV1870, Unternehmensinsolvenzen 1. Halbjahr 2026.
Hinweis: Der Erwerb von Wertpapieren ist mit erheblichen Risiken verbunden und kann zum vollständigen Verlust des eingesetzten Vermögens führen.
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