Let Them Pitch Juni 2026: Übergossene Alm Resort gewinnt Publikumspreis

Am 16. Juni 2026 wurde im Erste Campus Wien wieder gepitcht, gefragt, diskutiert und genetworkt. Bei der jüngsten Ausgabe von Let Them Pitch stand der Tourismus im Fokus – und damit eine Branche, die weit mehr umfasst als Hotels, Nächtigungen und schöne Orte.

Denn wer über Tourismus spricht, spricht auch über Standortentwicklung, Energie, Mobilität, Digitalisierung, Finanzierung und die Frage, wie Unternehmen wachsen können, ohne ihre Identität zu verlieren. Genau diese Vielfalt zeigte sich an diesem Abend auf der Bühne.

Moderator Dirk Littig, Co-CEO und Mitgründer von CONDA, führte durch einen Abend mit Unternehmenspräsentationen, Q&A-Sessions und einem Best-Practice-Gespräch. Am Ende entschied wie gewohnt das Publikum: Der Publikumspreis, verbunden mit einem Media-Package des Wirtschaftsmagazins trend, ging an das Übergossene Alm Resort.

Übergossene Alm Resort: Investieren in einen Ort der Auszeit

Dirk Littig überreicht den Publikumspreis an Kerstin Pegler (Foto: Joseph Krpelan)

Auf der Bühne stand Kerstin Pegler, Marketingleiterin des Hotels, und machte schon zu Beginn deutlich, worum es bei der aktuellen Kampagne geht: nicht nur um den Ausbau eines Hotels, sondern um die Weiterentwicklung eines Ortes, an dem Freizeit, Erholung und gemeinsame Erlebnisse im Mittelpunkt stehen: „Wenn Ihr Geld für Sie arbeitet, was machen Sie dann mit der gewonnenen Freiheit? Noch mehr arbeiten? Noch mehr Termine? Oder wünschen wir uns am Ende nicht genau das Gegenteil?“

Das Resort am Hochkönig plant die Erweiterung seines Wellnessbereichs. Vorgesehen sind unter anderem ein 25 Meter langer Infinity Pool mit Blick auf den Hochkönig, ein Familienbecken im Innenbereich, ein Indoor-Whirlpool sowie zwei zusätzliche Ruhebereiche. Insgesamt umfasst das Projekt ein Investitionsvolumen von 7 Millionen Euro.

Die Erweiterung soll dabei nicht nur architektonisch ein nächster Schritt sein, sondern auch strategisch: Wellness sei für Gäste längst kein Zusatzangebot mehr, sondern ein Grund, länger zu bleiben, wiederzukommen und auch außerhalb klassischer Saisonzeiten zu buchen. Ziel ist es, saisonunabhängiger zu werden, die Auslastung zu stabilisieren und den Wert pro Person und Nacht zu erhöhen.

Das Übergossene Alm Resort baut dabei auf einem bestehenden Fundament auf: Gastfreundschaft seit 1964, rund 32.000 Nächtigungen pro Jahr, ein Stammgästeanteil von 35 bis 40 Prozent und ein Team von über 60 Mitarbeitenden. Die Planung sieht vor, die Betriebsleistung in den kommenden sieben Jahren von 6,4 Millionen Euro auf 9,7 Millionen Euro zu erhöhen. Bis 2033/34 wird ein Ergebnis der gewöhnlichen Geschäftstätigkeit von über einer Million Euro angestrebt.

Auch bei der Finanzierung wurde der direkte Bezug zum Haus hergestellt: Anleger:innen können zwischen 5 Prozent Geldzins und 8 Prozent Sachzins in Form von Hotelgutscheinen wählen. Zusätzlich gibt es je nach Investmenthöhe Prämienstufen – von Übernachtungen über Spa-Vorteile bis hin zu besonderen Erlebnissen im Resort. Zum Zeitpunkt des Pitches waren bereits über 1,08 Millionen Euro investiert – mehr als 70 Prozent des Zielvolumens. Auf die Frage, was passieren würde, wenn die Fundingschwelle nicht erreicht werde, kam aus dem Team eine klare Antwort: „Ganz einfach, wir werden sie erreichen.“

Am Ende überzeugte dieser Auftritt auch das Publikum. Das Übergossene Alm Resort wurde zum Gewinner des Abends gewählt.

Tourismus als Branche mit vielen Perspektiven

Der Abend zeigte, wie breit das Thema Tourismus heute gedacht werden kann. Die EPH Group AG präsentierte etwa ein Geschäftsmodell, das auf die Entwicklung von Premium- und Luxushotelprojekten in Europa setzt. Yasmin Wilfling beschrieb dabei den Wert, der lange vor dem ersten Check-in entsteht: dann, wenn aus einem Standort ein genehmigtes, baureifes Hotelprojekt wird: „Der wahre Wert entsteht lange davor, lange bevor der erste Gast eincheckt.“

Die EPH Group entwickelt derzeit neun Projekte, davon sieben in Österreich und zwei in Deutschland, mit rund 2.400 geplanten Betten.

Auch we-are.travel setzte direkt bei einem zentralen Problem der Hotellerie an: leere Zimmer. „Eine Hotelübernachtung ist eines der verderblichsten Güter, die es gibt.“, so Gerhard Sperrer. Das Geschäftsmodell des Unternehmens basiert darauf, Hotelzimmer auf Gutscheinbasis zu vermarkten – gültig nach Verfügbarkeit und damit mit Terminhoheit beim Hotel. So entsteht für Hotels zusätzliche Liquidität, während Kund:innen Zugang zu attraktiven Hotelangeboten erhalten.

PVAU wiederum zeigte, dass die Zukunft des Tourismus auch mit der Energiewende verbunden ist. Benjamin Meyer stellte das Unternehmen als Installationsplattform für Photovoltaik und Wärmepumpen vor. Sein Ausgangspunkt: Die Energiewende habe ein Kapazitätsproblem. PVAU will genau dort ansetzen – mit internationalen Fachkräften, eigener Akademie und der Softwarelösung V-Connect.

Ein Update gab es außerdem von SkyGate Aviation Academy. Gerhard Wimmer war bereits bei einer früheren Ausgabe von Let Them Pitch erfolgreich und präsentierte diesmal außer Konkurrenz den aktuellen Stand der Kampagne. Sein Thema: der wachsende Bedarf an Pilot:innen und die Frage, wie eine private Verkehrspilotenschule ihre Kapazitäten ausbauen kann.

Was etablierte Unternehmen aus Emissionen lernen können

Wir freuen uns, dass Stefan Polzhofer von KAPO Fenster und Türen zu Gast war. Das steirische Familienunternehmen zeigte bereits bei einer früheren Ausgabe, wie ein traditionsreicher Mittelständler den Kapitalmarkt als Teil eines Finanzierungsmixes nutzen kann.

Polzhofer sprach offen über die Erfahrungen mit der eigenen Emission. Für KAPO ging es nicht darum, einen letzten Ausweg zu finden, sondern um eine solide Finanzierungsstruktur nach dem größten Investment der Unternehmensgeschichte. Rund 11 Millionen Euro wurden in eine neue Produktionsstätte investiert. Gleichzeitig habe sich durch den stärkeren Fokus auf öffentliche Auftraggeber auch das Working Capital verändert.

Seine Einschätzung machte deutlich, warum hybride Finanzierungsmodelle für KMU zunehmend relevant werden: Sie können Banken, Eigenkapital und alternative Finanzierungsformen sinnvoll ergänzen – gerade dann, wenn Unternehmen wachsen, investieren oder sich neu aufstellen: „Also sogar unsere eigene Bank, die war am Anfang da relativ sehr skeptisch bei dem Thema und mittlerweile empfängt mich der Bankmanager mit dem dicken Grinsen und sagt, hätte ich mir nicht gedacht.", so Stefan Polzhofer.

Austausch, Fragen und direkte Begegnungen

Let Them Pitch lebt nicht nur von den Präsentationen auf der Bühne. Nach den Pitches ging der Abend beim Networking weiter: mit Gesprächen an den Unternehmensständen, vertiefenden Fragen und direktem Austausch zwischen Investor:innen und Unternehmer:innen.

Genau darin liegt die Stärke des Formats. Aus Geschäftsmodellen werden greifbare Geschichten. Aus Zahlen werden konkrete Pläne. Und aus Investmentmöglichkeiten werden Begegnungen mit Menschen, die ihre Unternehmen weiterentwickeln wollen.

Der Abend am 16. Juni zeigte einmal mehr: Der Kapitalmarkt kann für Unternehmen ein Türöffner sein – und für Anleger:innen eine Möglichkeit, näher an unternehmerische Entwicklungen heranzurücken.

 

Foto: Joseph Krpelan / Offenblende


Daniel Koch

Beitrag von

Daniel Koch

in CONDA Capital Market News