Wie privates Kapital neue Wachstumswege für KMU eröffnet
Die Finanzierungsbedingungen für kleine und mittlere Unternehmen in Europa haben sich geändert. Banken vergeben Kredite restriktiver, die Kosten steigen, und die Schere zwischen Bedarf und Verfügbarkeit wächst. Für Investor:innen eröffnet diese Konstellation Zugang zu einem breiteren Spektrum an Investitionsmöglichkeiten jenseits der klassischen Kapitalmärkte. Die Erfahrungen von Unternehmen, die über CONDA Capital Market Kapital akquiriert haben, zeigen konkret, wie das in der Praxis funktioniert.
Die Finanzierungslücke bei europäischen KMU wächst
KMU und Unternehmer:innen sind in den vergangenen Jahren mit einer Reihe von Schocks konfrontiert worden, die ihren Zugang zu Finanzierung beeinträchtigt haben. Obwohl sich die Finanzierungsbedingungen in vielen Volkswirtschaften nach einer Phase geldpolitischer Straffung etwas gelockert haben, bleiben die Fremdkapitalkosten für KMU im Vergleich zum Vor-Pandemie-Niveau hoch, und Banken wenden weiterhin strenge Kreditvergabestandards an. Zwar hat sich die Neukreditvergabe an KMU begonnen zu erholen, doch der Gesamtbestand an KMU-Krediten bleibt weitgehend gleich. Dieses träge Kreditwachstum belastet die Liquidität und die Investitionsfähigkeit der Unternehmen und hat Folgen für deren Wettbewerbsfähigkeit. Besonders deutlich zeigt sich dies in der aktuellen EZB-Befragung: Der Mittelstand meldete steigende Kreditbedürfnisse bei gleichzeitig unveränderter Verfügbarkeit von Bankfinanzierungen, wobei die Entwicklungen nach Unternehmensgröße auseinanderfielen. KMU verzeichneten einen weiteren Rückgang der Verfügbarkeit, während große Unternehmen einen Anstieg meldeten. In der Folge blieb der Finanzierungslückenindikator der EZB für KMU im Euroraum mit netto 3 % positiv und leicht über dem Vorquartal. Obwohl die Kreditkosten zu sinken beginnen, bleiben sie historisch hoch: In 34 von 39 untersuchten Ländern lagen die KMU-Zinssätze über dem Vor-Pandemie-Niveau, und geopolitische Spannungen erzeugen zusätzlichen Aufwärtsdruck.
Privates Kapital als strukturelle Ergänzung
Der europäische Private-Market-Sektor umfasst sehr unterschiedliche Finanzierungsformen – von institutionellen Private-Equity-Fonds bis zu digitalen Kapitalmarktangeboten für private Anleger:innen. Gemeinsam ist ihnen, dass Kapital außerhalb der klassischen Börsenfinanzierung bereitgestellt wird. Alternative Finanzierungskanäle gewinnen an Bedeutung, insbesondere technologiegestützte Lösungen und Nicht-Banken-Finanzierungen. Gleichzeitig bleibt das Risikokapital widerstandsfähig und unterstützt weiterhin wachstumsstarke Unternehmen und Innovationen. Der europäische Markt für privates Kapital unterstreicht diesen Trend mit konkreten Zahlen: Private-Equity- und Risikokapitalfirmen sammelten 2025 in Europa 147 Milliarden Euro ein, ein Anstieg von 16 % gegenüber 2024 und das zweitbeste Ergebnis nach dem Rekord aus dem Jahr 2022. Buyout-Fundraising, also der gezielte Kauf von Anteilen an Firmen, war der Treiber und erreichte 103 Milliarden Euro, ein Anstieg um 33 %. Die Investitionen stiegen um 3 % auf 135 Milliarden Euro und markierten damit nach 2021 das zweitstärkste Jahr. Dabei entfiel ein erheblicher Teil dieser Mittel auf das Kernsegment der KMU: Das Mid-Market-Segment repräsentierte 34 % des gesamten Buyout-Volumens, da Fondsmanager Kapital in KMU und wachsende Unternehmen leiteten, die das Rückgrat der europäischen Wirtschaft bilden. Zugleich mahnen aktuelle Marktanalysen zur Selektivität: Die wirtschaftlichen und Marktbedingungen haben sich strukturell verändert und sind erheblich weniger günstig als jene, die das rasante Wachstum der Branche über fast zwei Jahrzehnte angetrieben haben. Mehrfachexpansion und ultragünstige Fremdfinanzierung sind weggefallen. Jene Unternehmen, die sich in diesem schwierigen neuen Umfeld abheben, werden solche sein, die ein wiederholbares Modell zur Identifikation von Investitionsmöglichkeiten und zur operativen Wertschöpfung entwickeln und dieses mit Nachdruck umsetzen.
Wachstum dank Kapitalmarktzugang
Wie ein solcher Wachstumspfad aussehen kann, zeigt Roatel. Als erstes Unternehmen baut es ein flächendeckendes Netzwerk aus Mikrohotels entlang deutscher Autobahnen auf und erschließt damit ein neues Marktsegment. Effiziente Bauweise, digitale Prozesse und ein standardisiertes Konzept schaffen die Grundlage dafür, schnell weitere Standorte zu eröffnen. Finanziert wird diese Expansion über eine Kombination aus Eigenkapital und Anleihemitteln: In mehreren Kapitalrunden wurden bereits fast elf Millionen Euro von Privatanleger:innen eingeworben. Im Frühjahr 2025 brachten zudem zwei Altgesellschafter im Rahmen einer Kapitalerhöhung weitere 3,5 Millionen Euro ein. In der jüngsten Eigenkapitalrunde über CONDA hat Roatel bislang rund 321.000 Euro von 145 Investor:innen eingesammelt. Während Roatel in der Fläche wächst, setzt die Mörwald Holding auf die gezielte Erweiterung einer etablierten Erlebniswelt. Mit den „Lodges am Weinberg“ entstehen in historischen Weinkellern in Niederösterreich exklusive Unterkünfte, die gehobene Gastronomie, Hotellerie und Weintourismus unter der Marke Mörwald verbinden. In einer ersten Anleiherunde über CONDA sammelte die Holding 393.400 Euro von 124 Investor:innen ein; die aktuell laufende zweite Anleihe steht bereits bei rund 350.500 Euro von 92 Investor:innen. Das Beispiel zeigt: Auch traditionsreiche Unternehmen können privates Kapital nutzen, um neue Angebote zu entwickeln und zusätzliche Geschäftsfelder zu erschließen. Bei ProFem wiederum ermöglichte Kapital, aus jahrelanger Forschung eine leicht verfügbare Behandlungsmöglichkeit zu schaffen. Weltweit sind rund 1,4 Milliarden Frauen jährlich von akuten Vaginalpilzinfektionen betroffen, etwa 150 Millionen leiden unter chronischen Beschwerden. ProFem entwickelte ein Medikament, das einen wesentlichen therapeutischen Fortschritt bei dieser Erkrankung ermöglichen soll. Das kürzlich eingeworbene Kapital, rund 1,3 Millionen Euro von 273 Investor:innen, dient dazu, die erforderlichen Studien finanziell abzusichern und die US-Zulassung voranzutreiben. Das ursprüngliche Ziel von einer Million Euro wurde auf 1,2 Millionen erhöht und schließlich übertroffen. Für 2028 plant das Unternehmen zudem den Börsengang. Gründerin Marion Noe-Letschnig: „Aus diesem Grund starteten wir eine zusätzliche Finanzierungsrunde, um die Studiendurchführung finanziell abzusichern.“
Die Beispiele zeigen, welche unterschiedlichen Entwicklungsschritte privates Kapital ermöglichen kann: neue Standorte, zusätzliche Geschäftsfelder oder klinische Studien. Es ersetzt klassische Bankfinanzierungen nicht, kann sie aber dort ergänzen, wo Unternehmen langfristiges Kapital für Wachstum benötigen.
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