Fachkräftemangel als Wachstumschance

Der Fachkräftemangel zählt auch 2026 zu den zentralen wirtschaftspolitischen Themen in Österreich. Laut Statistik Austria waren im ersten Quartal 2026 rund 133.100 Stellen offen. Im EY-Mittelstandsbarometer 2026 berichteten 72 Prozent der befragten Unternehmen von Schwierigkeiten, geeignete Mitarbeiter:innen zu finden.

Wie ernst die Lage ist, zeigt das EY Mittelstandsbarometer 2026: Laut EY berichten 41 Prozent der befragten mittelständischen Unternehmen von Umsatzeinbußen oder nicht realisierten Geschäftsmöglichkeiten infolge fehlenden geeigneten Personals. In der Fachdiskussion um Lösungsansätze wird dabei ein Punkt besonders häufig hervorgehoben: die Rolle der Aus- und Weiterbildung. Der Berufsbildungsbericht 2026 des zuständigen deutschen Bundesministeriums bezeichnet die duale Ausbildung als „zentralen Hebel, um Fachkräftenachwuchs zu gewinnen“. Auch die Deutsche Industrie- und Handelskammer sieht in einer frühen und praxisorientierten Berufsorientierung einen wichtigen Hebel. Sie helfe Jugendlichen, passende Ausbildungswege zu finden, und unterstütze Unternehmen dabei, frühzeitig geeignete Nachwuchskräfte zu gewinnen.

Ausbildung als Wirtschaftsfaktor

Die Falkensteiner Michaeler Tourism Group (FMTG) bildet derzeit 43 Lehrlinge in ihren Hotels aus und wurde dafür unter anderem als „Top-Lehrbetrieb Österreichs“ ausgezeichnet. „Unsere Mitarbeiter:innen, insbesondere unsere Lehrlinge, sind die Zukunft des Tourismus“, betont Otmar Michaeler, CEO der Gruppe. „Nur mit motivierten und gut ausgebildeten Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern wird unsere Branche auch in Zukunft erfolgreich sein.“ Das Portfolio umfasst aktuell 27 Hotels und 3 Appartement-Anlagen; im Zuge der Wachstumsstrategie sind mehrere neue Hotel- und Residence-Projekte geplant. Finanziert wird der weitere Ausbau über ein Nachrangdarlehen mit einer Laufzeit bis 2031, das je nach Variante mit 7,25 Prozent p. a. in Gutscheinen oder 5,25 Prozent p. a. in bar verzinst wird.

In Salzburg-Wals, unweit des Flughafens, bildet die SKYGATE Aviation Academy seit 2009 Airlinepilot:innen aus und zählt zu den etablierten europäischen Verkehrspilotenschulen. Die Nachfrage übersteigt die Kapazitäten deutlich: Jährlich bewerben sich mehr als 1.000 Personen, bis 2024 standen jedoch nur 36 Ausbildungsplätze zur Verfügung. 2025 konnte die Kapazität aus eigenen Mitteln auf 48 Plätze erhöht werden, 2026 bleibt sie auf diesem Niveau. Wie sieht allerdings mit der zunehmenden Robotisierung und Automatisierung in der Luftfahrtindustrie aus? „Wir müssen uns mal anschauen, was die Flugzeughersteller machen. Die sind in der Plattform 20 bis 30 Jahre voraus. Da sind in den Maschinen überall noch zwei bis vier Piloten drin. Für eine Fluggesellschaft ist der prozentuale Anteil an den Kosten eines Piloten äußerst gering und er ist zugleich der wichtigste Sicherheitsfaktor in dem ganzen.“, so Gerhard Wimmer, CEO und Head of Training von SkyGate. Der weltweite Bedarf an Airlinepilot:innen wächst kontinuierlich, während viele Flugschulen mit dem Aufbau moderner Ausbildungskapazitäten kaum Schritt halten können. SKYGATE positioniert sich mit seinem digitalen und praxisnahen Ausbildungskonzept als Antwort auf genau diese Entwicklung. Mit der aktuellen Emission investiert SKYGATE in neue Trainingsflugzeuge, Flugsimulatoren und digitale Ausbildungsinfrastruktur, um die Lücke zwischen Nachfrage und Ausbildungskapazität weiter zu schließen.

Blicken wir nun auf das Bauwesen: Dort waren 2024 österreichweit mehr als 21.200 Stellen offen, im dritten Quartal 2025 kamen weitere 5.828 Ausschreibungen hinzu. In der Tischlerbranche nannten zuletzt 43 Prozent der Betriebe den Fachkräftemangel als zentrale Herausforderung, nach 60 bis 64 Prozent in den Jahren 2021 und 2022. Das Unternehmen setzt dem bewusst mit einem breiten Ausbildungsansatz entgegen. „Wir bieten auch Quereinsteigern eine Chance“, sagt Stefan Polzhofer, Geschäftsführer des Familienunternehmens KAPO Fenster und Türen in vierter Generation. So ist ein früherer IT-Manager nun als Tischler angeheuert. Und weil Polzhofer beim nach wie vor männerdominierten Tischlerhandwerk viel ungenütztes Potenzial sieht, bildet er verstärkt Frauen im Betrieb aus. „Jedes einzelne unserer Fenster ist maßgefertigt, deshalb sind wir auf gut ausgebildetes Personal angewiesen.“, so Polzhofer. Die aktuelle Emission dient der Stärkung des Working Capitals, um die gut gefüllte Auftragspipeline, darunter zahlreiche Aufträge aus dem öffentlichen Bereich, effizient vorzufinanzieren und die neue Produktionskapazität voll auszuschöpfen .

Zukunft gestalten

Die Beispiele zeigen, wie Unternehmen mit Lehrlingsausbildung, Quereinstiegsangeboten und zusätzlichen Ausbildungskapazitäten auf Personalengpässe reagieren können. Solche Maßnahmen können die Fachkräftesicherung unterstützen und zugleich Teil einer betrieblichen Wachstumsstrategie sein. Eine Win-Win-Situation für die Auszubildenden, für die Unternehmer:innen, als auch für die Investor.innen, die von den Geschäftsmodellen der Unternehmen überzeugt sind.


Daniel Koch

Beitrag von

Daniel Koch

in CONDA Capital Market News