Tourismus in Österreich, Deutschland und der Schweiz 2026: Rekordnachfrage trifft auf hohen Kapitalbedarf

Sommerzeit ist Urlaubszeit. Kaum eine Branche lebt so unmittelbar vom Wunsch nach Auszeit wie der Tourismus. Die laufende Saison dürfte, wie schon im Vorjahr, neue Rekorde bringen. Doch während immer mehr Zimmer ausgebucht sind, ringen viele Betriebe um die Finanzierung ihrer Zukunftsprojekte. Genau in diesem Spannungsfeld lohnt sich für Investor:innen ein genauer Blick.

Ein Rekordjahr folgt auf das nächste

Die Nachfrage nach Urlaub im DACH-Raum wächst strukturell. Österreich zählte im Jahr 2025 laut Statistik Austria 157,27 Millionen Nächtigungen und 48,17 Millionen Ankünfte. Das ist ein neues Allzeithoch seit Beginn der Aufzeichnungen und bereits das dritte Jahr in Folge über der Marke von 150 Millionen Nächtigungen. Gegenüber dem ohnehin starken Vorjahr bedeutet das ein Plus von 1,9 Prozent bei den Nächtigungen und 3,1 Prozent bei den Ankünften. „Das Wachstum geht vor allem auf internationale Gäste zurück, aber auch die Nächtigungen von Gästen aus dem Inland sind im Vergleich zum Vorjahr leicht gestiegen“, ergänzt Manuela Lenk, fachstatistische Generaldirektorin von Statistik Austria. Die Wintersaison 2025/26 hat diese Entwicklung inzwischen bestätigt: Mit 74,23 Millionen Nächtigungen (+2,5 Prozent) und 21,33 Millionen Ankünften (+3,4 Prozent) war sie die stärkste seit Beginn der elektronischen Aufzeichnungen 1973/74. Der Blick über die Grenzen bestätigt das Bild. Deutschland meldete für 2025 mit 497,5 Millionen Gästeübernachtungen erneut einen Rekordwert (+0,3 Prozent). Die Schweizer Hotellerie erreichte mit 43,9 Millionen Übernachtungen (+2,6 Prozent) ebenfalls ein weiteres Rekordjahr in Folge.

Und 2026? Vieles spricht dafür, dass Österreich weiter auf Erfolgskurs ist. Nach der stärksten Wintersaison der Geschichte fiel auch der Start in den Sommer kräftig aus: Der Mai 2026 brachte nach vorläufigen Zahlen 9,57 Millionen Nächtigungen, ein Plus von 12,0 Prozent gegenüber dem Vorjahresmonat, getragen von einem Zuwachs der ausländischen Gäste um 19,6 Prozent. Elisabeth Zehetner, die zuständige Staatssekretärin für Tourismus, ordnet den Wert bewusst nüchtern ein: „Ein Teil des Plus ist durch Pfingsten und die bayerischen Pfingstferien erklärbar. Entscheidend ist daher nicht ein einzelner Monatswert, sondern was aus Nachfrage dauerhaft in den Regionen ankommt.“ Hinter diesen Gästezahlen steht ein erheblicher volkswirtschaftlicher Beitrag. Nach WIFO-Schätzungen erzeugte der Tourismus 2025 direkt und indirekt 33,1 Milliarden Euro an Wertschöpfung. Das entsprach 6,5 Prozent des nominellen BIP. Für 2024 weist das WIFO rund 292.000 tourismusbezogene Vollzeitjobs aus.

Knappe Margen, doch Premium wächst

So eindrucksvoll die Nachfrageseite ist, so angespannt bleibt die Kostenseite. Gestiegene Energie-, Personal- und Finanzierungskosten setzen die Margen vieler Betriebe unter Druck. Dies zeigte der Branchenreport Tourismus 2025. Die CONDA Capital Group hat gemeinsam mit incert eTourismus und mrp hotels im November 2025 rund 30 Entscheider:innen aus Hotellerie und Freizeitwirtschaft im DACH-Raum befragt. 73 Prozent der Betriebe finanzieren sich vor allem über Bankkredite, aber nur 22 Prozent sind mit ihrer Finanzierung zufrieden. 57 Prozent nennen strengere Kreditvergaben als größte Hürde, 47 Prozent die gestiegenen Zinsen. Ein:e Teilnehmer:in bringt es auf den Punkt: „Zu hohe Zinsen, trotz guter Bilanzen kein Entgegenkommen der Banken.“ Die Folge ist ein handfester Investitionsstau: 53 Prozent der befragten Betriebe mussten in den vergangenen zwei Jahren Investitionen verschieben, weil keine passende Finanzierung verfügbar war, bei einem mittleren Kapitalbedarf von rund 2,5 Millionen Euro pro Betrieb. Zugleich erwarten 69 Prozent, dass alternative Finanzierungsformen künftig eine deutlich stärkere Rolle spielen werden.

Infografik BRanchenreport Tourismus

Innerhalb des Marktes verschieben sich die Gewichte klar in Richtung Qualität. Die Ferienhotellerie im Alpenraum startete mit einer Auslastung von 39 Prozent deutlich stärker in die Wintersaison 2025/26 als im Vorjahr (34 Prozent), bei einem durchschnittlichen Zimmerpreis von 350 Euro, ein Plus von 7 Prozent. Auch institutionelles Kapital sucht wieder verstärkt den Weg in die Hotellerie. Das Transaktionsvolumen am österreichischen Hotelinvestmentmarkt lag laut dem Beratungsunternehmen Christie & Co im ersten Halbjahr 2025 bei rund 215 Millionen Euro, ein Zuwachs von 13 Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum.

Wie Unternehmen den Markt nun nutzen

Wie nutzen Unternehmen dieses Marktumfeld? Die EPH Group AG setzt beim Aufbau neuer Projekte an: „Wir konzentrieren uns auf die Phase, in die der größte Wert entsteht. Wir sichern den Standort, wir erlangen das Baurecht und wir schließen einen Betreibervertrag. Dadurch entsteht ein investitionsreifes Hotelprojekt und das sind in der Regel internationale Hotelmarken. Dadurch entsteht ein investitionsreifes Hotelprojekt und das wird in der Regel noch vor Baubeginn verkauft.“, so Yasmin Wilfling, Vorstand der EPH Group AG. Das Unternehmen entwickelt im Premium- und Luxussegment in Tourismusdestinationen der DACH-Region, mit neun Projekten in der Pipeline und rund 2.400 geplanten Betten. Seit November 2025 ist das Wiener Unternehmen an der Börse Stuttgart notiert; über die laufende Kapitalerhöhung können Anleger:innen Aktien (Mindestabnahme 4 Stück) zeichnen.

Die Falkensteiner Michaeler Tourism Group entwickelt derzeit neue Hotel- und Residence-Projekte, baut ihre Italien-Destinationen Sardinien, Sizilien und Adria-Küste aus und ergänzt ihr Portfolio ab 2029 um ein neues 5-Sterne-Hotel an der Ostsee. Finanziert wird das Wachstum in der aktuellen Runde über ein Nachrangdarlehen mit 7,25 Prozent p. a. in der Gutschein-Variante beziehungsweise 5,25 Prozent p. a. in bar, mit einer Laufzeit bis 2031. Die Gruppe, die heute 27 Hotels, 3 Appartement-Anlagen und 2 Campingplätze in 7 Ländern betreibt, hat über FMTG Invest bislang mehr als 126 Millionen Euro von über 6.390 Investor:innen aufgenommen.

Ein jüngstes Beispiel für eine abgeschlossene Emission ist die Übergossene Alm: Das 4-Sterne-Superior-Resort der Familie Burgschwaiger am Hochkönig, seit 1964 in Familienhand, erweitert seinen Wellnessbereich. Hierfür kamen 1.593.000 Euro zuletzt über eine nachrangige Anleihe auf CONDA Capital Market zusammen, gezeichnet von 95 Investor:innen, die damit das angestrebte Zielvolumen von 1,5 Millionen Euro übertrafen. Wer wollte, wählte statt fünf Prozent Geldzins acht Prozent als Hotelgutschein und erlebt künftig vor Ort, was mit dem eigenen Kapital entstanden ist: vom Infinitypool mit Hochkönig-Blick bis zu den neuen Ruhezonen, geplant zur Fertigstellung im Frühjahr 2027.

Kürzlich hat we-are.travel aus Linz hat über CONDA Capital Market über 1 Million Euro von 226 Investor:innen aufgenommen. Das Besondere an ihrem Geschäftsmodell: Das Unternehmen ist selbst ein Finanzierer der Branche. Nach dem Zimmer-für-Kapital-Prinzip erhalten Drei- bis Fünf-Sterne-Häuser im DACH-Raum und in Italien Investitionskapital zur Verfügung. Im Gegenzug stellen sie Zimmerkontingente bereit, die als Hotelgutscheine über die Vertriebskanäle vermarktet werden. Seit 2004 sind so mehr als eine Million Gutscheine bislang verkauft worden. Mit dem eingesammelten Kapital wird nun das eigene Wachstum weiter vorangetrieben.

Die Beispiele zeigen, dass Unternehmen mit Unterstützung des Kapitalmarkts eine Möglichkeit gefunden haben, um schneller vom aktuellen Marktumfeld zu profitieren. Für Anleger:innen bietet sich darüber aber auch die Gelegenheit, zu steuern, wohin Kapital fließt: in welches Projekt, in welche Region und in welche Form von Tourismus.

 

Foto: Daniel Frank


Daniel Koch

Beitrag von

Daniel Koch

in CONDA Capital Market News