Techbold: zwei Emissionen, ein Exit

Die Wiener techbold technology group AG hat bekannt gegeben, dass die europäische accompio Gruppe 100 Prozent der Aktien übernimmt. Die Verträge sind unterzeichnet, der Vollzug erfolgt nach der Freigabe durch die Wettbewerbsbehörde. Für Investor:innen, die techbold seit 2017 über CONDA begleitet haben, schließt sich damit ein Kreis.

techbold betreut die IT-Systeme von kleinen und mittleren Unternehmen, die ihren IT-Betrieb auslagern wollen: Wartung, Support, Cloud-Infrastruktur und die Absicherung gegen Angriffe von außen. Dafür betreibt das Unternehmen ein eigenes Cyber Security Operations Center in Wien.

Heute arbeiten mehr als 170 IT-Spezialist:innen an Standorten in Wien, Oberösterreich und dem Burgenland. Sie betreuen rund 1.400 Kund:innen aus 60 Branchen, der Jahresumsatz liegt bei etwa 28 Millionen Euro. Die Käuferin, die accompio Gruppe, ist eine Anbieterin von IT-Sicherheits- und Cloud-Dienstleistungen mit rund 900 Beschäftigten an 22 Standorten in Deutschland, Österreich, Ungarn und Bulgarien. Am Tagesgeschäft von techbold soll sich zunächst nichts ändern: Ansprechpartner:innen, Verträge und laufende Projekte bleiben bestehen.

Demokratisierung der IT-Dienstleistungen

Damian Izdebski gründete techbold 2015 gemeinsam mit Fabian Zeeb in Wien. Für ihn war es ein Neustart. 1999 hatte er mit seiner damaligen Ehefrau Aleksandra Izdebska den Elektronikhändler DiTech gegründet und bis 2013 auf rund 120 Millionen Euro Umsatz gebracht. Im März 2014 musste das Unternehmen Insolvenz anmelden. Izdebski hat darüber später öffentlich gesprochen und geschrieben, unter anderem in seinem Buch „Meine besten Fehler“. Die Idee hinter techbold war eine ganz andere als hinter DiTech: IT-Dienstleistungen in einer Qualität, die sich sonst nur Konzerne leisten, auch für kleinere Unternehmen verfügbar und bezahlbar zu machen.

Die erste Zusammenarbeit mit CONDA: das Nachrangdarlehen

2017 nahm techbold über CONDA ein Nachrangdarlehen auf und sammelte damit 696.400 Euro ein. Der Darlehensvertrag sah zwei Zinskomponenten vor: einen Basiszins von 4,5 Prozent pro Jahr, der laufend ausgezahlt wurde, und einen Wertsteigerungszins, der erst zum Laufzeitende fällig wurde. Für Izdebski war CONDA die erste Wahl: „2017 brauchten wir Kapital für die nächste Wachstumsstufe. Mit Daniel Horak und CONDA hatten wir einen Partner, der uns eine Plattform bot, über die wir unsere Wachstumsfinanzierung einfach, strukturiert und vor allem digital umsetzen konnten. Dass unsere Investoren diesen Weg teils über neun Jahre mitgegangen sind, erfreut uns sehr.“

Über die gesamte Laufzeit hat techbold den Basiszins vollständig und termingerecht bedient. Bei einem angenommenen Investment von 10.000 Euro waren das rund 2.280 Euro an Zinsen, verteilt auf sechs Zahlungen zwischen September 2017 und Februar 2022. Der Wertsteigerungszins belief sich auf 31,8 Prozent über die gesamte Laufzeit.

 

„Die Banken haben damals abgewunken. Die Crowd nicht. Das sagt eigentlich alles über die Zukunft der Unternehmensfinanzierung.“

Damian Izdebski, Gründer techbold

 

Vom Gläubiger zur Beteiligung: die Aktienemission

Für das weitere Wachstum öffnete sich techbold 2021 erneut für Investitionen und gab junge Aktien zu je 10,00 Euro aus. Über die CONDA White-Label-Infrastruktur wurden dabei 1,9 Millionen Euro in die techbold-Aktie investiert.

Zeitgleich lief das Nachrangdarlehen aus, der Wertsteigerungszins stand zur Auszahlung an. Bestandsinvestor:innen konnten ihr Darlehen samt Wertsteigerungszins in Aktien wandeln. Wer das Angebot annahm, erhielt Ende März 2022 junge Aktien der techbold technology group AG zum selben Ausgabepreis.

Aus einer Gläubigerposition wurde damit eine Beteiligung. Der feste Zinsanspruch endete, an seine Stelle trat die Teilhabe an der weiteren Wertentwicklung des Unternehmens, mit allen Chancen und allen Risiken, die daran hängen.

Wofür das Kapital eingesetzt wurde

Seit der Gründung hat techbold 18 IT-Dienstleistungsunternehmen übernommen und zu einer Gruppe zusammengeführt. Dahinter stand eine bewusste Entscheidung: Der österreichische Markt für IT-Betreuung im Mittelstand ist stark fragmentiert, viele Betriebe sind inhabergeführt und stehen vor der Nachfolgefrage. Wer diese Betriebe übernimmt und auf eine gemeinsame technische Plattform hebt, gewinnt Größe, ohne jede Kund:innenbeziehung neu aufbauen zu müssen.

Der zweite Hebel war die Verschiebung des Leistungsangebots. Aus klassischer IT-Betreuung wurden Managed Services, Microsoft-Cloud-Lösungen und das alles mit einem Schwerpunkt auf die IT-Sicherheit. Der Aufbau eines eigenen Operations Centers für Cybersecurity war dabei ein entscheidender Schritt, denn er unterscheidet techbold von reinen IT-Betreuern und machte das Unternehmen für einen Käufer wie accompio überhaupt erst interessant. „Jeder Euro, den Investoren uns gegeben haben, ist in Substanz geflossen: in eigene Softwaresysteme, Rechenzentrumsequipment, in die Entwicklung von KI-Tools und vor allem in Menschen. Wir haben früh gesehen, dass der Mittelstand nicht nur jemanden braucht, der die Server betreut, sondern jemanden, der ihn gegen Angriffe verteidigt. Deshalb haben wir den Bereich der IT-Sicherheit massiv weiter ausgebaut, zu einem Zeitpunkt, als das für ein Unternehmen unserer Größe unüblich war. Genau das ist heute der Grund, warum techbold für einen strategischen Partner interessant ist“, sagt Damian Izdebski, Gründer und Hauptaktionär der techbold technology group AG.

Für Daniel Horak, Geschäftsführer von CONDA Capital, ist der Investment Case von techbold ein Beispiel dafür, worum es bei Private Market Investments geht: „Wir haben techbold 2017 auf die Plattform gebracht, weil uns die Kombination aus Marktverständnis und Umsetzungsdisziplin überzeugt hat und das Unternehmen im Einklang mit unseren Werten agiert. Dass daraus neun Jahre später ein Exit geworden ist, war das Ergebnis konsequenter unternehmerischer Arbeit, die durch das Vertrauen der Anleger gestützt wurde.“

Was Aktionär:innen jetzt wissen sollten

Der Kaufpreis je Aktie wird noch bekannt gegeben. Verbindliche Informationen dazu erhalten die techbold-Aktionär:innen direkt von der Emittentin, der techbold technology group AG, sobald die Wettbewerbsbehörde den Vollzug freigegeben hat. Prüfen Sie am besten schon jetzt, ob Ihre aktuellen Kontaktdaten noch mit jenen übereinstimmen, die Sie bei der Emission angegeben haben.


Daniel Koch

Beitrag von

Daniel Koch

in CONDA Capital Market News