Private Markets: Was Privatanleger:innen über eine lange verschlossene Anlageklasse wissen sollten

Wer bislang in Unternehmen investieren wollte, die nicht an der Börse notiert sind, brauchte entweder institutionelles Kapital oder persönliche Zugänge. Beides ist für Privatanlegerinnen und Privatanleger strukturell schwer zu erreichen. Das ändert sich jedoch. Und zwar schneller als viele wahrnehmen.

Private Markets umfassen Finanzierungsformen abseits des öffentlichen Kapitalmarkts: Private Debt (direkte Darlehen an Unternehmen), Mezzanine-Strukturen (Mischformen aus Eigen- und Fremdkapital) sowie Investment-Plattformen, auf denen digitale Wertpapiere gezeichnet werden können. Lange Zeit war dieser Markt institutionellen Investor:innen vorbehalten. Heute öffnet er sich, regulatorisch begleitet auf europäischer Ebene.

 

Was der Markt heute zeigt

Der europäische Markt für alternative Finanzeirungen, der 2022 noch bei rund 800 Millionen Euro lag, überschritt 2023 die Marke von 1 Milliarde Euro. 1,7 Millionen aktive Investor:innen in 17 EU-Mitgliedstaaten nutzen bereits autorisierte Plattformen. In Litauen beteiligen sich über 20 % der erwachsenen Bevölkerung an solchen Investitionen. Ein deutlicher Indikator dafür, wie weit diese Anlageklasse in einzelnen Märkten bereits verankert ist.

Gleichzeitig ist Realismus angebracht: Die durchschnittliche Projektgröße über alle Plattformen liegt zwischen 15.000 und 53.000 Euro, und die historischen Ausfallraten variieren je nach Plattform und Segment zwischen 3 und 15 %. Anleger:innen müssen sich bewusst sein: Wer in Private Markets investiert, geht Risiken ein. Anteile lassen sich oft nicht kurzfristig verkaufen und Investor:innen müssen die (noch!) begrenzte Handelbarkeit einkalkulieren.

 

Regulierung als Schutzrahmen

Seit November 2021 gilt die EU-Verordnung über Europäische Crowdfunding-Dienstleister (ECSPR). Sie schafft erstmals einen harmonisierten Rechtsrahmen für Crowdinvesting-Plattformen in der EU (Mehr dazu erfahren Sie hier). 17 % der Finanzierungen erfolgten 2023 bereits grenzüberschreitend – ein Wert, der vor der Verordnung unter 5 % lag.

Hinzu kommt ELTIF 2.0 (European Long-Term Investment Funds), eine überarbeitete EU-Verordnung, die den Zugang zu Private-Markets-Produkten für Privatanleger:innen weiter erleichtern soll und die Attraktivität langfristiger Investitionen in nicht-börsennotierte Unternehmen erhöht.

 

Was Privatanleger:innen konkret beachten sollten

Diversifikation ist in diesem Segment keine Empfehlung, sondern eine Notwendigkeit. Viele Kleinanleger:innen investieren laut dem Zukunftsreport ohne ausreichende Streuung, mit entsprechend hohem Konzentrationsrisiko.

Private Markets sind kein Ersatz für klassische Anlagen, sondern eine Ergänzung. Sie bieten die Möglichkeit, direkt in die Realwirtschaft zu investieren – mit anderen Risiko-Rendite-Profilen, anderen Laufzeiten und anderen Transparenzanforderungen als börsennotierte Produkte.

Was die Daten dazu sagen, welche Szenarien bis 2030 realistisch sind und wie KI und Tokenisierung den Zugang zu Private Markets weiter verändern werden, das analysiert unser Zukunftsreport 2026, erstellt von Zukunftsforscher Marcel Aberle.

Foto © Marco Hartmann


Karin Turki

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Karin Turki

in CONDA Capital Market News