Inside KAPO: 10 Fragen an Stefan Polzhofer
Fast 100 Jahre Handwerksgeschichte, kombiniert mit einer klaren Vision für nachhaltiges Bauen: KAPO steht exemplarisch für ein österreichisches Familienunternehmen, das Tradition nicht bewahrt, sondern weiterentwickelt.
Mit der neuen Produktionsstätte am Ökopark Hartberg setzt KAPO den größten Investitionsschritt seiner Unternehmensgeschichte – ökologisch, technologisch und strategisch. Warum dieser Schritt genau jetzt notwendig war, welche Rolle Sanierung und Denkmalschutz für das Wachstum spielen und wie die aktuelle Anleihe das operative Geschäft stärkt, erklärt Geschäftsführer Stefan Polzhofer im Interview.
KAPO steht für fast 100 Jahre Handwerk. Warum war genau jetzt der richtige Zeitpunkt für den größten Investitionsschritt eurer Geschichte?
Der Fenstermarkt hat sich fundamental gewandelt, und wir wollten nicht nur reagieren, sondern agieren. Während der Neubau seit Jahren stagniert, explodiert der Markt für Sanierungen. Dieser Bereich ist komplexer und handwerklich anspruchsvoller – genau dort liegt unsere Stärke.
Gleichzeitig verlangt moderne Architektur nach immer größeren, offeneren Elementen, die unsere alte Manufaktur an ihre Grenzen gebracht haben. Mit dem neuen Werk haben wir unsere Prozesse digitalisiert und automatisiert, um auch bei „Losgröße 1“ hocheffizient zu sein.
Diese Investition wurde über Jahre vorbereitet – als Antwort auf demografischen Wandel, steigende Lohnkosten und zur Sicherung unserer Wettbewerbsfähigkeit für die kommenden Jahrzehnte. Die Corona- und Inflationskrise haben diese Entwicklung zusätzlich massiv beschleunigt.
Das neue Werk am Ökopark Hartberg gilt als ökologisches Vorzeigeprojekt. Was macht diesen Standort wirklich zukunftsfähig?
Wir haben uns bewusst gegen die „grüne Wiese“ entschieden und ein echtes Brownfield-Projekt realisiert. Unser Werk steht auf einer ehemaligen Bauschuttdeponie, die wir einer sinnvollen Nutzung zugeführt haben – gelebter Bodenschutz.
Dafür haben wir Mehrkosten von rund 500.000 Euro in Kauf genommen, etwa für 330 Tiefengründungen zur Stabilisierung der Präzisionsanlagen oder die ökologische Nivellierung der Fläche mit geschreddertem Asphalt.
Energetisch sind wir dank einer PV-Anlage mit bis zu 600 kWp Ausbaupotenzial und eines Biomasseheizkraftwerks, das mit unseren eigenen Holzabfällen betrieben wird, weitgehend autark. Der Standort zeigt, dass industrielle Produktion und Ökologie keine Gegensätze sind.
Ihr verzichtet konsequent auf Kunststoff und setzt voll auf Holz. Warum ist dieses Modell langfristig wettbewerbsfähig?
Unser Ziel ist klar: Wir wollen als Hersteller CO₂-negativ werden. KAPO ist der erste Fensterhersteller in Österreich mit biozidfreiem Holzschutz – eine Grundvoraussetzung für echte Kreislaufwirtschaft.
Wirtschaftlich bewegen wir uns bewusst in einer Nische mit hohen Eintrittsbarrieren. Alles, was statisch komplex ist, muss aus Holz gebaut werden – Kunststoff stößt hier an seine Grenzen. Wir bedienen damit ein Premium-Segment, das Plastik nicht erreichen kann, und arbeiten daran, dass unsere Produkte als Kohlenstoffsenken anerkannt werden.
Sanierung und Denkmalschutz werden immer wichtiger. Warum ist dieses Segment so zentral für KAPO?
Weil hier das größte Marktpotenzial liegt. In Österreich gibt es rund 13,4 Millionen Fenstereinheiten mit erheblichem Sanierungsbedarf. Um die Klimaziele zu erreichen, muss die Sanierungsquote von aktuell 1,4 % p.a. auf 1,8 % steigen – und das sofort bis 2040.
Allein das Investitionsvolumen für den Fenstertausch wird auf über 30 Milliarden Euro geschätzt. Als Spezialist für komplexe Anforderungen und Denkmalschutz profitieren wir überproportional von diesem Trend. Öffentliche Aufträge machen bereits rund 50 % unseres Volumens aus.
Du sagst: KAPO denkt nicht in Fenstern, sondern in Projekten. Was heißt das konkret?
Wir fertigen maßgeschneiderte Lösungen für individuelle Wohnbedürfnisse und verkaufen keine Produkte von der Stange. Unser Leitspruch „Freiheit der Architektur“ ist gelebte Praxis.
Wir begleiten Kund:innen von der ersten Idee bis zur Montage und darüber hinaus. Unsere Fertigung passt sich dem Projekt an – nicht umgekehrt. Das macht uns zum Partner für Architekt:innen, die keine Kompromisse eingehen wollen.
Die neue Produktionsstätte senkt die Durchlaufzeiten massiv. Wo liegen die größten Effekte?
Der wichtigste operative Hebel ist die Reduktion der Durchlaufzeit von fünf Wochen auf rund zehn Tage.
Finanziell bedeutet das weniger gebundenes Working Capital, da Material schneller zu einem fakturierbaren Produkt wird. Gleichzeitig senken effizientere Anlagen und reduziertes manuelles Handling die Personalkosten pro Stück. Dadurch gewinnen wir zusätzliche Flexibilität für kurzfristige Aufträge.
Öffentliche Auftraggeber bringen Volumen, aber auch lange Zahlungsziele. Wie steuert ihr dieses Spannungsfeld?
Lange Zahlungsziele sind nicht neu. Neu ist jedoch, dass keine Zwischenrechnungen mehr möglich sind. Dadurch ist der Working-Capital-Bedarf im laufenden Geschäftsjahr stark gestiegen – bei Außenständen in Millionenhöhe für ein KMU. Genau hier setzen wir an: Wir brauchen eine Finanzierungsstruktur, die zu diesem Geschäftsmodell passt, um sichere, aber langsam zahlende Aufträge weiterhin profitabel abwickeln zu können.
Die Anleihe stärkt euer Working Capital. Was ermöglicht euch dieser Spielraum konkret?
Er gibt uns unternehmerische Freiheit. Wir können Lieferanten sofort bezahlen und Skonti nutzen. Auf Jahressicht ist der Verzicht auf Skonto teurer als die Zinsen der Anleihe.
Wir tauschen also teures Lieferantenkredit-Kapital gegen Investorenkapital und stärken gleichzeitig unsere Unabhängigkeit von Banken. Zudem bauen wir mit der Emission bewusst eine Investorenbasis für zukünftige Projekte auf.
Nachhaltigkeit ist Teil eurer DNA. Welche ESG-Themen sind aktuell die größten Hebel?
Der wichtigste Hebel ist Holz als Schlüssel zur Ökologisierung der Bauwirtschaft. Es ist widersprüchlich, dass Holzbau gefördert wird, gleichzeitig aber Plastikfenster zugelassen oder sogar überproportional gefördert werden – eine Folge gedeckelter Fördersysteme.
Wir setzen uns politisch dafür ein, dass öffentliche Förderungen konsequent an ökologische Kriterien gekoppelt werden. Der Marktanteil von Holzfenstern liegt in Österreich aktuell bei nur 5 % – dem niedrigsten Wert in der gesamten EU.
Woran sollen Investor:innen in fünf Jahren erkennen, dass KAPO den richtigen Kurs eingeschlagen hat?
Ganz pragmatisch: daran, dass sie ihr Kapital inklusive Zinsen pünktlich zurückerhalten haben. Und emotional daran, dass sie uns am Standort Ökopark Hartberg besuchen und sehen, wie wir in einer der modernsten und nachhaltigsten Fensterfertigungen Europas Produkte bauen, die Generationen überdauern.
KAPO zeigt, wie industrielles Wachstum, echtes Handwerk und ökologische Verantwortung zusammengehen können. Die neue Anleihe schafft die finanzielle Basis, um dieses Geschäftsmodell stabil weiterzuentwickeln – mit Fokus auf Sanierung, Nachhaltigkeit und langfristige Wertschöpfung.
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