Kapitalbeschaffung neu denken: Was digitale Wertpapiere für Unternehmen leisten können

Wer als Unternehmen Kapital braucht, denkt zuerst an die eigene Hausbank. Das ist verständlich, aber zunehmend zu kurz gegriffen. Bankkredite decken den strukturellen Kapitalbedarf des europäischen Mittelstands nicht mehr vollständig ab. Und das ist keine Wahrnehmung, sondern ein Fakt aus aktuellen Marktdaten.

Laut dem ECB SAFE Survey 2024 nutzen trotz grundsätzlichem Interesse nur 14 % der KMU in der EU aktiv Bankkredite. 26 % berichten von erheblichen Finanzierungsproblemen. Das Hochzinsumfeld – EZB-Leitzins bei 4,25 % Ende 2024 – belastet Fremd- und Eigenkapitalfinanzierung gleichermaßen. Die Eigenkapitalquote österreichischer KMU liegt bei 32 bis 37 % der Bilanzsumme, was die Spielräume für weiteres Fremdkapital einschränkt.

 

Was digitale Wertpapiere ermöglichen

Digitale Wertpapieremissionen über regulierte Plattformen schaffen einen alternativen Kapitalmarktzugang für Unternehmen, die weder börsenreif sind oder einen Börsengang anstreben noch klassische Bankkonditionen erfüllen. Konkret bedeutet das: Unternehmen können über digitale Plattformen Kapital von einer breiten Investor:innenbasis einsammeln, ohne Kontrollmehrheiten abzugeben und ohne den Aufwand einer klassischen Kapitalmarktnotierung.

Der regulatorische Rahmen dafür ist in der EU seit November 2021 durch die ECSPR (EU-Verordnung über Europäische Crowdfunding-Dienstleister) gegeben. Unternehmen können damit Finanzierungsvolumina bis zu 5 Millionen Euro innerhalb von 12 Monaten einwerben. Und das grenzüberschreitend innerhalb der EU, auf einer einheitlichen regulatorischen Basis.

 

Was Unternehmen aus dem Zukunftsreport lernen

Der CONDA Zukunftsreport 2026 zeigt, dass alternative Finanzierungsformen dann am wirkungsvollsten sind, wenn sie strategisch in einen breiteren Finanzierungsmix eingebettet werden – nicht als Notlösung, sondern als bewusste Ergänzung. Das setzt voraus, dass Unternehmen ihren Kapitalbedarf klar kommunizieren können, Investor:innen langfristig als Partner:innen verstehen und die Anforderungen an Transparenz ernst nehmen.

Gleichzeitig benennt der Report die Grenzen: Crowdinvesting ist noch ein Nischensegment mit einem EU-weiten Volumen von 1 Milliarde Euro, was einen kleinen Anteil am gesamten KMU-Kreditmarkt darstellt.

 

Was sich bis 2030 verändert

KI-gestützte Risikomodelle, tokenisierte Assets und sich entwickelnde Sekundärmarktstrukturen werden den Kapitaltransfer zwischen Unternehmen und Investor:innen effizienter machen. Plattformen entwickeln sich von reinen Vermittlern zu technologischen Infrastrukturen, die den gesamten Lebenszyklus einer Finanzierung begleiten – von der Emission bis zum Reporting. Für Unternehmen, die sich jetzt damit auseinandersetzen, entsteht ein Vorsprung.

Den vollständigen Analyse-Report inkl. Marktdaten, Regulierungsüberblick, Risikoeinschätzung und einem Kommentar von CONDA Co-Founder Dirk Littig gibt es jetzt kostenlos als Download.


Karin Turki

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Karin Turki

in CONDA Capital Market News