Inside we-are.travel: 10 Fragen an Geschäftsführer Andreas Schabel

Die Tourismusbranche steht unter massivem Veränderungsdruck. Steigende Energiekosten, Investitionsbedarf in Nachhaltigkeit, Fachkräftemangel und strengere Bankenregulierung stellen viele Hotelbetriebe vor große Herausforderungen. Gleichzeitig suchen Investor:innen zunehmend nach alternativen Investmentmöglichkeiten mit nachvollziehbarem Geschäftsmodell und realwirtschaftlichem Bezug.

Genau hier setzt we-are.travel Invest an. Die Unternehmensgruppe rund um CEO Andreas Schabel verbindet ihre bestehende Reichweite aus über 510.000 registrierten Reisekund:innen mit einem bankenunabhängigen Finanzierungsmodell für die gehobene Ferienhotellerie im DACH-Raum. Das Prinzip: Hotelkontingente werden zum Finanzierungsinstrument.

Im Interview spricht Andreas Schabel darüber, warum klassische Finanzierungsmodelle in der Hotellerie an ihre Grenzen stoßen, wie das „Zimmer-für-Kapital“-Prinzip funktioniert und weshalb freie Hotelkapazitäten künftig eine neue Rolle im Finanzierungsmix touristischer Betriebe spielen könnten.

Außerdem erklärt er, welche Rolle Dr. Gregor Hoch als ehemaliger ÖHV-Präsident dabei einnimmt, wie we-are.travel seine bestehende Vertriebsinfrastruktur nutzt und warum die Kombination aus Tourismus, Community und Kapitalmarkt aus seiner Sicht enormes Potenzial hat.

 

we-are.travel gibt es als Unternehmensgruppe seit 2004, die Invest-Sparte aber erst seit 2025/2026. Was hat diesen Schritt ausgelöst, und warum jetzt?
Wenn man über 20 Jahre lang erfolgreich im Tourismusvertrieb verankert ist, lernt man die Bedürfnisse der Hoteliers extrem gut kennen. Wir haben in den letzten Jahren gesehen, dass der Innovations- und Investitionsdruck in der gehobenen Ferienhotellerie massiv gestiegen ist – ob für Spa-Erweiterungen oder Nachhaltigkeitsprojekte. Gleichzeitig wurde die traditionelle Bankenfinanzierung durch Regulierungen immer träger. Das war der Auslöser: Wir wollten eine Brücke bauen. Warum jetzt? Weil der Markt reif ist für intelligente, bankenunabhängige Finanzierungsalternativen und wir heute die Infrastruktur und die Community-Größe haben, um das mit dem Geschäftsmodell verbundene Volumen professionell zu bewegen.

 

Das „Zimmer-für-Kapital-Prinzip" klingt elegant. Wie funktioniert der Kreislauf in der Praxis, vom ersten Gespräch mit einem Hotel bis zum Gutschein, den ein:e Endkund:in einlöst?
Der Kreislauf ist ein perfekt aufeinander abgestimmtes Uhrwerk. Es beginnt damit, dass ein etabliertes Partnerhotel Kapital für ein konkretes Projekt benötigt – sagen wir für eine neue Photovoltaik-Anlage. Wir prüfen die Bonität und die Attraktivität des Hauses. Im Gegenzug überlässt uns das Hotel für das bereitgestellte Kapital freie Zimmerkontingente, vor allem für Zeiten abseits der Hauptsaison. Diese Kontingente wandeln wir in attraktive we-are.travel Hotelgutscheine um und verkaufen sie über unsere Plattform an die Endkund:innen. Damit steigt die Auslastung des Hotels, die Kund:innen reisen günstig, das Hotel generiert wertvolle Zusatzumsätze vor Ort (F&B, Wellness), und der Erlös aus dem Gutscheinverkauf besichert und bedient die Renditen unserer Investor:innen.

 

Über 510.000 registrierte Kund:innen und eine Million verkaufte Gutscheine sind eine starke Vertriebsbasis. Wie nutzt die Invest-Sparte diese Infrastruktur konkret?
Diese Vertriebsbasis ist unser absoluter, unschätzbarer Wettbewerbsvorteil. Viele Crowdfunding-Projekte müssen mühsam und teuer Reichweite einkaufen, um ihre Assets zu monetarisieren. Wir haben diese Reichweite bereits im Haus. Wenn wir Zimmerkontingente aus dem Investment-Pool erhalten, müssen wir das Rad nicht neu erfinden: Wir drücken quasi auf den Startknopf und erreichen sofort über eine halbe Million reisebegeisterte Kund:innen, die genau auf solche Angebote warten. Das reduziert das Vermarktungsrisiko auf ein absolutes Minimum und garantiert den schnellen, liquiden Rückfluss des Kapitals in den Pool.

 

Das Portfolio soll über mehrere Hotels gestreut werden. Wie viele Betriebe sind aktuell dabei, und was macht ein Hotel für Sie zu einem guten Finanzierungspartner?
Unser Fokus liegt ganz klar auf Qualität vor Quantität. Wir konzentrieren uns auf etablierte 3-Sterne-Superior- bis 5-Sterne-Betriebe im DACH-Raum, die einen nachweisbar guten Track-Record haben. Aktuell arbeiten wir mit Top-Hotels in touristischen Vorzeigeregionen wie Tirol, Bayern und Südtirol, wobei das Portfolio im Zuge der Anleihe kontinuierlich und risikogestreut ausgebaut wird. Gute Hotelpartner:innen für uns sind Betriebe, die ein solides Fundament und eine klare Zukunftsvision haben und dessen Zimmerkapazitäten auf unserer Plattform eine konstant hohe Nachfrage erzielen.

 

Das Kapital fließt über eine Schwestergesellschaft in die Hotel-Kontingente. Können Sie diese Struktur kurz erläutern: Wie sind die einzelnen Teile miteinander verbunden?
Transparenz und Sicherheit stehen hier an oberster Stelle. Die Struktur ist bewusst sauber getrennt: Die we-are.travel Invest GmbH ist die Emittentin der Anleihe. Sie sammelt das Investor:innenkapital zweckgebunden ein. Dieses Kapital wird dann über klare vertragliche Strukturen genutzt, um Investitionen der Partner:innenhotels zu finanzieren und abzusichern. Über die we-are.travel GmbH mit ihrer bewährten Vertriebspower und über 20 Jahren Markterfahrung und ausgewählten Best-Travel-Outlets erfolgt die exklusive Vermarktung der Hotelgutscheine. Durch diese Trennung gewährleisten wir, dass das Investor:innenkapital rechtlich geschützt und exakt dort eingesetzt wird, wo es Werte schafft.

 

Die Hotellerie steht unter enormem Druck: Personalmangel, Energiekosten, Nachhaltigkeitsanforderungen. Inwiefern ist das eher Rückenwind für Ihr Modell als Gegenwind?
Es ist paradox, aber genau dieser Druck ist der Treibstoff für unser Wachstum. Wenn ein Hotel seine Energiekosten durch eine Photovoltaik-Anlage senken oder durch ein modernes Mitarbeiter:innenhaus den Personalmangel bekämpfen muss, braucht es jetzt Kapital und nicht erst nach monatelangen Bankenverhandlungen. Da traditionelle Kreditinstitute bei diesen Themen oft zögern, kommen wir als agiler Partnerin ins Spiel. Wir liefern die Liquidität für genau diese Effizienzprojekte. Die Hotels werden dadurch krisenfester, senken ihre Kosten und steigern ihren Wert – das wiederum erhöht die Sicherheit für unsere Anleihe. Nachdem die Investitionen mit „leeren Zimmern“ finanziert werden ist die quasi wie Eigenkapital.

 

Dr. Gregor Hoch bringt seine Expertise als ehemaliger ÖHV-Präsident ein. Wie sieht seine konkrete Rolle im Tagesgeschäft der Invest-Sparte aus?
Dr. Gregor Hoch ist für uns ein unschätzbares Bindeglied und ein Qualitätsgarant. Als ehemaliger Präsident der Österreichischen Hoteliervereinigung kennt er die Branche, die Sorgen der Hoteliers und Hotelières und die wirtschaftlichen Kennzahlen wie kaum ein anderer. Im Tagesgeschehen der Invest-Sparte bringt er diese Expertise vor allem bei der Selektion der Partnerhotels ein. Er blickt mit dem Auge des Insiders auf die eingereichten Hotelprojekte, prüft deren Plausibilität und sorgt dafür, dass nur solide, zukunftsfähige Betriebe in unseren Investment-Pool aufgenommen werden.

 

Die Planzahlen sehen nach einem Anlaufjahr ab 2027 eine stabile Profitabilität vor. Was sind die zwei, drei Stellschrauben, von denen diese Entwicklung am stärksten abhängt?
Die erste und wichtigste Stellschraube ist die Einkaufsmarge bei den Zimmerkontingenten – je attraktiver wir die Deals mit den Hotels verhandeln, desto höher ist die Profitabilität beim Wiederverkauf. Die zweite Stellschraube ist die Conversion-Rate auf unserer Vertriebsplattform, also wie effizient wir die gewonnenen Kontingente in bare Münze umwandeln. Da unsere Marketing-Algorithmen seit Jahren optimiert sind, haben wir hier eine sehr stabile Planbarkeit. Die dritte Schraube ist die kontinuierliche, risikogestreute Skalierung des Hotel-Pools, um Fixkosten zu degressieren.

 

Bankenregulierung wird restriktiver — wie positioniert sich we-are.travel gegenüber anderen alternativen Finanzierungsanbietern, die dasselbe Vakuum adressieren?
Unser USP ist das Sachwert-Prinzip. Wir verlangen vom Hotel kein Eigenkapital oder Sicherheiten oder Liquidität, die es vielleicht gerade für den laufenden Betrieb braucht, sondern wir nehmen freie Kapazitäten (Zimmer). Das macht uns für Hoteliers unendlich viel attraktiver als jeden klassischen Finanzierungs-Anbieter. Zudem koppeln wir Finanzierung mit Marketing: Wir bringen dem Hotel nicht nur Geld, sondern auch neue Gäste und Zusatzumsätze.

 

Bis 2031 läuft die Anleihe. Was soll bis dahin aufgebaut sein und wie sieht das Unternehmen danach aus?
Bis 2031 wollen wir we-are.travel Invest als einen führenden, etablierten und vor allem verlässlichen bankenunabhängigen Finanzierungspartner der gehobenen Hotellerie im mitteleuropäischen Raum etabliert haben. Wir wollen ein breit gefächertes, krisenresistentes Netzwerk aus hunderten Partner:innenhotels aufgebaut haben, das wie ein stabiler Organismus funktioniert. Für unsere Investor:innen wird das Unternehmen bis dahin der Inbegriff für eine intelligente „Lifestyle-Rendite“ sein – ein Ort, an dem man weiß, dass das eigene Geld einen realen, sichtbaren Beitrag im Tourismus leistet, während das investierte Kapital am Ende der Laufzeit plangemäß und liquide zurückgezahlt wird.

 

Tourismusfinanzierung neu gedacht

Das Modell von we-are.travel Invest zeigt, wie alternative Finanzierungslösungen in der Hotellerie künftig aussehen könnten: näher an der Branche, flexibler als klassische Bankmodelle und direkt verbunden mit bestehender Nachfrage und Community-Reichweite.

 

Dabei kombiniert das Unternehmen Finanzierung, Vertrieb und touristische Infrastruktur in einem Modell, das auf reale Kapazitäten statt rein theoretische Bewertungen setzt. Für Hotelbetriebe entsteht dadurch zusätzlicher Handlungsspielraum, insbesondere für Investitionen in Nachhaltigkeit, Modernisierung und Wachstum.

 

Wer mehr über das Konzept, die Unternehmensstrategie und die aktuelle Anleiheemission erfahren möchte, findet alle Informationen auf der Emissionsseite von we-are.travel Invest auf CONDA Capital Market.


René Kötting

Beitrag von

René Kötting

in Emissionsnews DE