ESG vs. Greenwashing: Woran Investor:innen echte Nachhaltigkeit erkennen

ESG vs. Greenwashing: Woran Investor:innen echte Nachhaltigkeit erkennen

Nachhaltigkeit ist längst ein zentrales Thema für Investor:innen. Eine positive Entwicklung: Immer mehr Unternehmen kommunizieren ihre ESG-Aktivitäten auch. Und immer mehr Investor:innen beziehen diese Informationen in ihre Entscheidungen ein. Doch mit der steigenden Bedeutung wächst auch ein Problem: Greenwashing.

Die Herausforderung besteht heute nicht mehr darin, Nachhaltigkeitsinformationen zu finden – sondern darin, sie richtig einzuordnen.

 

Was ist Greenwashing?

Starten wir mit einem kurzen Deep Dive in den Begriff "Greenwashing". Denn, der Begriff Greenwashing wird häufig verwendet, aber selten präzise definiert.

„Greenwashing bezeichnet irreführende Umweltangaben, durch die Verbraucher:innen über die tatsächlichen Umweltauswirkungen oder Nachhaltigkeit eines Produkts oder Unternehmens getäuscht werden.“
(Quelle: Europäische Kommission, Vorschlag zur Richtlinie zur Stärkung der Verbraucher für den ökologischen Wandel – „Empowering Consumers for the Green Transition“)

Das bedeutet sowiviel wie: Ein Unternehmen kommuniziert Nachhaltigkeit ohne dass diese ausreichend belegt, strukturiert oder nachvollziehbar ist.

Typische Ausprägungen sind:

  • vage Aussagen wie „nachhaltig“ oder „umweltfreundlich“ ohne konkrete Daten
  • Hervorhebung einzelner positiver Maßnahmen, während relevante Risiken ausgeblendet werden
  • fehlende Vergleichbarkeit mit anderen Unternehmen

Greenwashing ist dabei oft kein bewusster Täuschungsversuch, sondern entsteht auch durch mangelnde Struktur oder fehlende Standards.

 

Warum Greenwashing ein Problem für Investor:innen ist

Für Investor:innen entsteht durch Greenwashing vor allem eines: Unsicherheit.

Wenn Nachhaltigkeitsinformationen nicht klar eingeordnet werden können, hat das direkte Auswirkungen auf die Qualität von Investmententscheidungen. Denn zum einen wird die Risikobewertung erschwert.
Fehlende Transparenz kann dazu führen, dass strukturelle Risiken – etwa in der Lieferkette, im Ressourcenverbrauch oder in der Governance – nicht erkannt werden.

Zum anderen entsteht eine verzerrte Vergleichbarkeit. Wenn jedes Unternehmen Nachhaltigkeit anders darstellt, wird es nahezu unmöglich, Projekte objektiv gegenüberzustellen.

Ein bekanntes Beispiel aus der Praxis ist die Diskussion rund um nachhaltige Investmentfonds, bei denen in der Vergangenheit Unternehmen als „ESG-konform“ klassifiziert wurden, obwohl sie nur begrenzt nachhaltige Kriterien erfüllten. Diese Fälle haben zu regulatorischen Anpassungen (z. B. SFDR) geführt und zeigen, wie sensibel das Thema ist.

Letztlich führt Greenwashing zu einem Vertrauensproblem, nicht nur gegenüber einzelnen Unternehmen, sondern gegenüber dem gesamten Markt.

 

Woran Investor:innen echte Nachhaltigkeit erkennen

Echte Nachhaltigkeit lässt sich nicht an einzelnen Aussagen festmachen, sondern an der Art und Weise, wie Unternehmen mit dem Thema umgehen.

Ein zentrales Merkmal ist Transparenz: Unternehmen, die klar darlegen, wo sie stehen, welche Auswirkungen sie haben und welche Risiken bestehen, schaffen eine belastbare Grundlage für Entscheidungen.

Ebenso wichtig ist eine strukturierte Darstellung. Wenn ESG-Informationen entlang klar definierter Kriterien erhoben werden, entsteht Vergleichbarkeit, die ein entscheidender Faktor für Investor:innen ist.

Ein dritter Aspekt ist die Fähigkeit zur Weiterentwicklung. Nachhaltigkeit ist kein Zustand, sondern ein Prozess. Unternehmen, die konkrete Maßnahmen definieren und Fortschritte dokumentieren, zeigen, dass ESG Teil ihrer strategischen Entwicklung ist.

 

Praxisbeispiel: Wie Transparenz konkret aussehen kann

Ein Beispiel dafür ist der ESG-Report der KAPO Fenster und Türen GmbH. Der Bericht zeigt nicht nur einen ESG-Score, sondern geht deutlich darüber hinaus:

Im Unternehmensüberblick werden Produkte, Stakeholder und konkrete Auswirkungen beschrieben – etwa die Nutzung nachwachsender Rohstoffe oder die Energieautarkie in der Produktion.
Die quantitative Analyse macht ESG messbar und zeigt Stärken sowie Entwicklungspotenziale. Besonders entscheidend: Der Abschnitt zu Fortschritten und künftigen Maßnahmen zeigt konkrete nächste Schritte, etwa Zertifizierungen, Ausbau erneuerbarer Energie oder Projekte zur Kreislaufwirtschaft.

Und genau hier liegt der Unterschied zu Greenwashing: Nicht die Behauptung von Nachhaltigkeit steht im Vordergrund, sondern die nachvollziehbare Darstellung von Status und Entwicklung.

 

Beyond ESG: Warum Transparenz wichtiger ist als Perfektion

Vor diesem Hintergrund wird deutlich, warum klassische ESG-Bewertungen oft nicht ausreichen. Ein einzelner Score kann zwar Orientierung bieten, bleibt aber eine Momentaufnahme. Entscheidend ist, ob ein Unternehmen bereit ist, seine Entwicklung transparent zu machen.

Genau hier setzt der Beyond ESG Ansatz an. Statt Unternehmen in „gut“ oder „schlecht“ einzuordnen, geht es darum Informationen strukturiert zugänglich zu machen um damit Vergleichbarkeit zu schaffen und Entwicklung sichtbar zu machen.

Unternehmen liefern ihre Daten selbst, diese werden standardisiert aufbereitet und als Grundlage für ein ESG-Scoring genutzt. Gleichzeitig wird klar kommuniziert, dass es sich nicht um eine Bewertung im klassischen Sinne handelt, sondern um eine zusätzliche Einordnung.

Für Investor:innen bedeutet das: Mehr Kontext. Mehr Transparenz. Mehr Vertrauen.

 

Nachhaltigkeit erkennen heißt Entwicklung verstehen

Greenwashing entsteht dort, wo Nachhaltigkeit behauptet, aber nicht belegt wird. Echte Nachhaltigkeit zeigt sich dagegen durch: Transparenz, Struktur und nachvollziehbare Entwicklung.

Für Investor:innen bedeutet das: Nicht die perfekte ESG-Bewertung ist entscheidend – sondern die Fähigkeit eines Unternehmens, offen zu zeigen, wo es steht und wohin es sich entwickelt.

FAQ (in a Nutshell)


Karin Turki

Beitrag von

Karin Turki

in CONDA Capital Market News